Wabi-Sabi Hain

Ferienhaus in Schenkendorf / Spreewald, Baujahr 2017/18

Am Dorfrand, abseits gelegen von einem Gehöft, inmitten eines Wäldchens ist die Ferienhütte, ausgerichtet auf die Landschaft, als Rückzugsort konzipiert, in Annäherung an das einfache Dasein, zugunsten naturnaher und elementarer Sinneseindrücke.

Die Hütte bezieht sich dabei auf das japanische Ästhetik-Konzept Wabi-Sabi, das eine spezifische Art von Schönheit beschreibt, die sich durch Schlichtheit, Natürlichkeit, Abstraktion, Unkonventionalität auszeichnet. Ähnlich wie der japanische Tee-Raum greift die Ferienhütte auf die „Urhütte“ bäuerlicher Baukultur zurück, um daraus eine eigene Ästhetik zu formulieren.

Vier im Rechteck zueinander stehende Bäume dienen als lebende Stützpfeiler und statische Verankerung. Die Gewichts- und Windlasten werden über Garnierschrauben in die Stämme eingeleitet, ohne dass die Bäume in Mitleidenschaft gezogen werden. Die Lasteneintragung in die Bäume und die Herstellungskosten konnten minimiert werden, indem die Konstruktion in Leichtbauweise ausgeführt wurde. Die Dachflächen sind in sich biegesteif und tragen den hängenden Boden des Gebäudes.

Das Haus besteht fast ausschließlich aus Holzmaterialien. Die Konstruktionsdetails sind radikal vereinfacht worden, so dass der Bau mit einfachen Mitteln manuell umgesetzt werden konnte. Auf den Einsatz von Materialien und Technologien, in denen Kunststoffe enthalten sind, wurde verzichtet. Da die Hütte vollständig in Handarbeit errichtet wurde und ohne herkömmliches Fundament auskommt, hinterlässt sie keinen ökologischen Fußabdruck. Im Sommer schafft das Blätterdach des Wäldchens ein kühlendes und schattenspendendes Mikroklima, welches das Gebäude vor Überhitzung schützt.

Neben dem introvertiert gestalteten Schlafraum befindet sich in dem Gebäude ein winziges Bad mit Dusche und Streutoilette. Das Einstreumaterial für die Toilette unterbindet entgegen aller Befürchtung die Geruchsbildung. Im Garten werden die Reststoffe kompostiert. Der natürliche Stoffkreislauf ist damit geschlossen. Auf einer zweiten Ebene unter dem Spitzdach erschließt sich ein weiterer Schlafbereich, der zum giebelseitigen Wohnbereich hin offenen ist.

Form, Stofflichkeit und Herstellungsweise des Hauses sind beeinflusst vom Wabi-Sabi-Paradigma. Wabi- Sabi wurde seit Mitte des 16. Jahrhunderts von Zen Priestern als Kritik am seinerzeit dekadenten Luxusstil formuliert. Die zuerst in adligen Kreisen vermittelten Werte entwickelten sich zu einer wesentlichen Komponente in der japanischen Alltagskultur. Heute bietet Wabi-Sabi als Geisteshaltung einen Gegenpol zur mehr und mehr beziehungslosen und entseelten Ästhetik, die sich in den Industriegesellschaften herausbildet. Die Wabi-Sabi Konzeption kann also eine Art Korrektiv unserer vorherrschenden Lebensweise sein und eine Verhältnismäßigkeit zwischen den Dingen herstellen.